Edith-Kohlbach-Reisebücher

Mauretanien – ein jungfräuliches Land

Die Bevölkerung im Nordteil ist von ihren Ursprüngen her sehr stark nomadisch geprägt und hat dies auch nicht vergessen, als die Landflucht begann und wegen der Dürre hunderttausende von Menschen in die Städte an der Küste zogen. Nomaden mussten oft wochenlang ohne Wasser auskommen, deshalb ist ihnen dieses Element fremd. Sie kochen Tee mit Kamelmilch und das Baden bzw. der Besuch einer Hammam sind in der Tradition nicht verwurzelt. Aus dem gleichen Grund gibt es auch keine traditionelle mauretanische Küche, die Nahrung der Nomaden bestand aus Datteln, Kamelmilch und Fleisch. Auch Cafés, in denen man sitzen, Tee trinken und den Leuten zuschauen kann, sind so gut wie unbekannt.
Und in den Sommerferien fährt man nicht wie anderswo ans kühle Meer, man besinnt sich auf seine Ursprünge und fährt in die Oasen. Azoughui bei Atar zum Beispiel hat im Sommer statt seinen 300 Einwohnern plötzlich 6.000, viele Bürger von Nouakchott haben hier Grundstücke und bauen im Sommer ihre Zelte auf. Dort leben sie wie in früheren Zeiten, tauschen die Enge der Stadt mit der Weite der Wüste und ernähren sich von Milch und Fleisch. Sie tauchen wieder in das Stammesleben ein und helfen bei der Dattelernte. Familie, das weite Land, Milch und Fleisch sind der mauretanische Inbegriff für Wohlfühlen.
Das Land ist in seiner Natur noch sehr jungfräulich, noch nicht vom Tourismus verändert. Das macht natürlich das Reisen etwas schwieriger, aber alle, die die Herausforderung suchen, sind hier genau richtig. An Unterkünften mangelt es nicht, und sei es die Zelt-Auberge am Straßenrand. Aber Komfort und Ausstattung sind mit Marokko nicht zu vergleichen. Wenn man in Hotels schlafen will, ist es sinnvoll, sich ein Kopfkissen und für den Sommer ein Betttuch mitzubringen, im Winter muss es schon ein Schlafsack sein.
Reisen in Mauretanien ist kein leichtes Vergnügen, es ist eine große Herausforderung. All die touristische Infrastruktur, die der Reisende gewöhnt ist, gibt es hier nicht. Keine Restaurants am Straßenrand, die schnell was bruzzeln, keine Cafés mit leckerem Tee oder Kaffee. Nichts, wo man hübsch und gemütlich sitzen kann. Als ich nach der Grenzüberschreitung nach Nouakchott kam, der Hauptstadt des Landes, war ich doch etwas erstaunt, wie primitiv die Stadt mit fast einer Million Menschen ist. Nur die wichtigen Straßen sind geteert, alle anderen sandbedeckt und mit Müll verschmutzt. Einige Gebäude im Regierungsviertel oder die Botschaften sind natürlich schön gebaut, aber die meisten Wohn- und Geschäftshäuser sind flache, primitive, oft heruntergekommene Bauten. Aber wenn man dann ins Innere des Landes fährt und wieder nach Nouakchott zurück kommt fühlt man sich, als sei man ins Paradies zurückgekehrt. Nur hier gibt es Hotels und Restaurants mit internationalem Standard.